|
Haushaltsrede
der SPD-Fraktion Stadtratssitzung am 26. Januar 2005
Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,
der Spruch
„Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“ wird sicherlich bei
fast jeder Haushaltsrede benutzt, aber er trifft die städtische
Haushaltslage auf den Punkt.
In meiner Rede
werde ich zunächst die Lage aus Sicht der SPD-Fraktion
darstellen, dann erläutern, welche Spar- und Entwicklungsvorschläge
wir haben und schließlich darauf eingehen, wie die künftige
Entwicklung aus unserer Sicht verlaufen soll. Dabei spielt natürlich
wie bei der Rede des CDU-Fraktionsvorsitzenden das vieldiskutierte
Verhältnis zwischen Oberbürgermeister und Stadtrat eine besondere
Rolle.
Die Lage ist ernst, sogar Besorgnis erregend ernst,
denn die Stadt Zweibrücken ist dabei, Jahr für Jahr mit größeren
Defiziten einen enormen Schuldenberg aufzubauen. Es kann doch nicht
sein, dass wir die Verschuldung Jahr für Jahr steigern und uns dabei
durch ständig steigende Zinslasten strangulieren.
Die richtige
Reaktion in dieser Situation kann doch nicht sein, die Hoffnung auf
Besserung einfach aufzugeben und statt zu handeln, nach möglichen
Sündenböcken zu suchen. Durch Stillstand wird die Lage noch schlimmer.
Sie, Herr
Oberbürgermeister haben in der Pressekonferenz über das Ergebnis der
nichtöffentlichen Hauptausschusssitzung erklärt, der erste Entwurf biete
außer den freiwilligen Leistungen (wie Freibad usw.), die gerade der
SPD-Fraktion am Herzen liegen, keine Sparmöglichkeiten. Trotzdem ist
es gelungen, immerhin einige Millionen EURO einzusparen, ohne dass die
Bürgerinnen und Bürger dadurch einen Nachteil haben werden.
Allerdings ist
dies erst gelungen, nachdem der erste Entwurf an Sie zur
Überarbeitung zurückgegeben wurde. Dieser stattliche Einsparbetrag nimmt
den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt in Zukunft erhebliche Lasten an
Zins und Tilgung ab. Ja, wir haben den Haushaltsentwurf nicht
abgelehnt, sondern wir haben mehr Anstrengung verlangt, die
Verschuldung zu reduzieren. Und ich kann heute für die SPD-Fraktion
sagen, dass wir mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Die passiven
Sparmöglichkeiten auf der Ausgabenseite haben wir in den
Haushaltsberatungen im Hauptausschuss in langen Sitzungen
durchdiskutiert und in einer gemeinsamen Anstrengung ziemlich
ausgeschöpft. Wer in diesem Zusammenhang den Ausdruck „Kaspertheater“
verwendet, erkennt entweder den Ernst der Lage nicht oder
lenkt gern von der eigentlichen Problematik ab oder sucht
sogar schon Sündenböcke für künftige Schwierigkeiten.
Sehr
geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben eine
gemeinsame Verantwortung gegenüber den Zweibrückern und ihren
Nachkommen. Gerade deshalb müssen wir in diesem Haus um den besten
Weg streiten. Wir Sozialdemokraten nehmen unsere Aufgabe ernst –
diesen Willen unterstelle ich auch den anderen Stadträten.
Weil wir
unsere Aufgabe ernst nehmen, machen wir eine bürgernahe Politik,
die auch in die Zukunft reicht. Diesen Auftrag haben wir von unseren
Wählerinnen und Wählern erhalten.
Deshalb haben
wir die Eckbebauung gestoppt.
Deshalb
erwarten wir auch (und sind auch zuversichtlich), dass der EBZ die
Sackregelungen noch einmal überdenkt und zu einer besseren
Lösung führt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Führung des EBZ
immer bürgernahe Lösungen finden kann.
Ich halte die
Führung und die Mitarbeiter des EBZ für sehr fähig und möchte auch daran
erinnern, dass Zweibrücken dank der klugen Geschäftspolitik unseres EBZ
geringere Müllgebühren hat als die Nachbarstadt, trotz der
Geldverbrennungsanlage in Pirmasens, bei der Zweibrücken immer eine
kleinere und kostengünstigere Anlage gefordert hat, aber überstimmt
wurde.
Dass der
Stadtrat beim Streit um den richtigen Weg nicht immer einer
Meinung sein kann, liegt am demokratischen System. Der Klügere oder
die Klügere sollte gerade nicht nachgeben. Das Ergebnis der
Haushaltsberatungen, das wir heute präsentieren, kann sich sehen lassen
- darauf kommt es an.
Die meisten unserer Forderungen hat die Verwaltung im
geänderten Haushaltsentwurf eingearbeitet. Ich nenne die beiden wichtigsten, die wir angeregt
hatten:
·
Die
Eckbebauung des Rosengartens an der Saarlandstraße wurde gestrichen,
dafür haben spontan über tausend Bürgerinnen und Bürger innerhalb
weniger Stunden unterschrieben – wir wollen aber trotzdem eine
Aufwertung des jetzigen Rosengarteneinganges.
·
Die
zurzeit nicht notwendige aber teure Entwicklung des
Himmelsbergstollens, die nur wenige Besucher nach Zweibrücken
gelockt hätte, ist ebenfalls gestrichen. Wenn man wenig Geld hat,
muss man es dort einsetzen, wo es den meisten Nutzen stiftet.
Die anderen Einsparungen wurden von einer breiten
Mehrheit im Stadtrat unterstützt, sie sind deshalb für uns Sozialdemokraten nicht weniger
wichtig.
Heute beantragen wir noch die Streichung der 10.000,-- EURO, die
für die Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens vorgesehen waren. Die
vorgesehene Besetzung des Stabes Wirtschaftsförderung erübrigt diese
Ausgabe.
Unsere
Forderung, das Freibad und den Campingplatz aufzuwerten und in
die Ziel-2-Förderung aufzunehmen, führt in diesem Jahr zu keinen
zusätzlichen Ansätzen im Haushalt. Diese Positionen lassen sich
entweder aus der laufenden Verwaltung – aus verschiedenen
Platzhalterbeträgen finanzieren oder erfordern vorläufig nur den Einsatz
des vorhandenen städtischen Personals. Die notwendige Kindertoilette am
Planschbecken könnte nach Aufschüttung eines Erdhügels kostengünstig an
den Kanal in die Landauer Straße angeschlossen werden.
Ausgabenwirksam sind aber unsere beiden folgenden
Anträge:
1.
Wir
beantragen, die im Vermögenshaushalt eingestellten Haushaltsmittel für
die Gestaltung des Dorfplatzes in Mörsbach wieder auf 7.000 €
aufzustocken und nicht klammheimlich mit dem Ortsteilbudget zu
verrechnen.
2.
Haben die
Beratungen im Hauptausschuss schon ergeben, dass unser Antrag, die
Förderung der Turn- und Kulturhalle in Rimschweiler mit 40% zu
bezuschussen inzwischen eine breite Mehrheit im Stadtrat findet, weil
man sich von den wichtigen Argumenten überzeugen lies. Für uns ist
dies ein deutliches Zeichen, dass die frühere Zusammenarbeit im
Stadtrat, die Zweibrücken viel genutzt hat, wieder funktionieren kann.
Ein weiterer
Beweis dieser Zusammenarbeit ist auch der sich abzeichnende
Kompromiss zur Gleichstellungsbeauftragten, die wieder im gesetzlich
notwendigen Rahmen eingerichtet wird, wenn der Antrag der Grünen Liste
eine Mehrheit findet, wovon ich ausgehe. Dieses Ergebnis hätte man schon
früher erzielen können, wenn die Gespräche und Vereinbarungen zwischen
den Frauen aus CDU, Grüner Liste und SPD mit dem OB auch ihren Ausdruck
im Stellenplan gefunden hätten.
Konzepte zur Entwicklung der Stadt
Sehr geehrte
Damen und Herren,
die Lage ist
also nicht hoffnungslos, auch wenn auf der Ausgabenseite jetzt wenige
Möglichkeiten bestehen, den Haushalt zu verbessern. Aber die
Landesregierung hat uns in den letzten Jahren immer gezeigt, dass sie
die Anstrengungen der Stadt Zweibrücken unterstützt und uns nicht im
Regen stehen lässt. Damit dies möglich ist, brauchen wir außer der
Anstrengung auch klare und nachhaltig wirkende Konzepte, die
bisher leider nur in Ansätzen vorgebracht worden sind. In diesem
Zusammenhang verweise ich erneut auf unsere Anträge zur Vernetzung der
Tourismusprojekte in der Wohlfühlstadt. Wir haben durch unser
Konzept der Wohlfühlstadt, in der für Jung und Alt etwas geboten werden
soll, gezeigt, wie die Stadt noch attraktiver werden kann. Damit können
Touristen und besonders Steuerzahler und Arbeitsplätze angelockt werden.
Auch wenn
viele im vergangenen Jahr enttäuscht worden sind, haben wir immer noch
die Chance, gegenzusteuern und die Weichen in Richtung Zukunft zu
stellen. Unsere Stadt ist jede Anstrengung wert.
Wir
unterstützen deshalb auch ausdrücklich die Einrichtung eines Stabes für
Wirtschaftsförderung beim Oberbürgermeister. Gerade wenn die Ausgaben zu
hoch sind und nicht mehr allzu stark reduziert werden können, muss man
für erfolgreiche Wirtschaftsförderung sorgen. Dann besteht die Chance,
mehr Einnahmen zu erzielen. Zweibrücken hat mehr zu bieten, als
allgemein bekannt ist.
Verschiedene
Studien prognostizieren Zweibrücken erheblich bessere
Entwicklungschancen als z.B. der Stadt Pirmasens. Auch der
vorhergesagte Bevölkerungsrückgang, der in manchen Städten schon spürbar
ist, wird in Zweibrücken nicht so dramatisch sein. Die Stadtpolitik
der Vergangenheit kann also nicht schlecht gewesen sein.
Der gute Ruf und die Anziehungskraft einer Stadt
sind von zentraler Bedeutung für die Standortentscheidungen und damit
für die künftigen Steuereinnahmen. Wichtig sind dabei Zahl und Qualität
der Kindergärten und Schulen, Neubaugebiete und kulturelle
Anziehungspunkte, aber auch ein funktionsfähiger Einzelhandel. Besonders
wichtig ist aber auch die Kompetenz und Professionalität der
Stadtregierung.
Ich weiß, Herr
Oberbürgermeister, Sie lieben wie ich Geschichten und Symbole,
aber diese Vorliebe sollte Sie nicht weiter dazu verleiten, das
Märchen vom blockierenden Stadtrat zu verbreiten, nur weil manche es
so gerne glauben. Ich halte es für problematisch, wenn das
Stadtoberhaupt bei jeder Gelegenheit davon spricht. Die zuletzt bei der
Neujahrsansprache vor großem Publikum verbreitete Geschichte vom
Stadtrat, der vernünftige Vorschläge blockiert und den Fortschritt
behindert, könnte sich als Topos in den Köpfen der Menschen festsetzen
und einen für Investoren und Neubürger abschreckenden Stillstand
demonstrieren.
Nur weil das
Bild vom Stadtschiff so schön ist, darf man nicht die Regierungsform
eines Schiffes auf eine demokratisch verfasste Stadt übertragen.
Befehl und Gehorsam sind in der Gemeindeordnung nicht vorgesehen. Es
ist auch nicht wichtig, ob das Stadtschiff nun ein Luxusliner oder ein
Ruderboot ist, wichtig ist, dass es vorankommt. Wenn man nur ein
Ruderboot hat und aus Geldmangel keine Segeljacht kaufen kann, nützt es
nichts, für Wind zu sorgen.
Wir müssen mit
den vorhandenen Mitteln auskommen und sie Nutzen stiftend einsetzen.
Alle hier im Raum haben eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Stadträte
vertreten ehrenamtlich die Bürgerinnen und Bürger. Sie opfern viel
Freizeit, in der sie es sich gemütlich machen oder Geld verdienen
könnten. Wir Stadträte, die einer Partei angehören, opfern noch
zusätzlich Freizeit und auch Geld für Mitgliedsbeiträge, um innerhalb
einer Partei zu einem vernünftigen Konsens zu kommen. Es gab auch früher
einige heftige Diskussionen um den richtigen Weg, ohne dass dies als
Meuterei angesehen wurde. Es ist nicht Aufgabe des Stadtrates, den
Vorschlägen eines Oberbürgermeisters stets zuzustimmen, auch wenn es
tatsächlich meistens so ist.
Die meisten
Entscheidungen des Stadtrates - auch seit den Neuwahlen im vergangenen
Jahr - werden einstimmig getroffen oder zumindest mit einer großen
Mehrheit. Die Ablehnung zweier oder dreier Vorschläge im Stadtrat ist
kein Umsturz, sondern Ausdruck von Verantwortung.
Welche
Entscheidungen des OB wurden denn durch den Stadtrat blockiert?
Es sind
wesentlich häufiger Anträge unserer Fraktion abgelehnt worden als solche
der Verwaltung. Natürlich ist es schwieriger geworden, Mehrheiten zu
finden, weil die großen Parteien weniger Sitze haben und die anderen
Parteien entweder in sich gespalten sind oder traditionell eher eine
distanzierte Haltung einnehmen.
Tatsächlich gab es
nur drei Entscheidungsvorschläge des Oberbürgermeisters, die vom
Stadtrat abgelehnt worden sind:
1.
Das Motorradrennen wurde fast vom gesamten Stadtrat abgelehnt, weil sich
im Laufe der Sitzung herausstellte, dass die Stadt das gesamte
Unternehmerrisiko von immerhin 140.000 EURO hätte allein tragen sollen.
2. Der
ursprüngliche Plan des OB zur Übernahme des Landesgestüts durch eine
städtische Gesellschaft wurde zurückgestellt, weil nicht geklärt war,
wer das bisherige Defizit von ca. 500.000 EURO pro Jahr auf Dauer
übernehmen soll. Die Ablehnung einer Schnellgründung heißt nicht,
dass das Gestüt nicht entsprechend gefördert werden soll.
3. Die vom OB
vorgeschlagene Bebauung des Rosengartens wurde zunächst mit knapper
Mehrheit im Stadtrat genehmigt. Die „Gutwilligen“ hatten ihm also
zunächst doch eine Mehrheit verschafft. Der Plan scheiterte dann aber
eigentlich am überwältigenden Votum der Bürger/innen, die über 1000
Unterschriften leisteten. Dieses Projekt war das einzige, bei dem die
Initiative zum Stopp von der SPD-Fraktion ausgegangen war. Die
einstimmig beantragten Zuschüsse können für sinnvollere Projekte
verwendet werden.
Andere Entscheidungen des OB wurden nicht durch den Stadtrat verhindert.
In diesem Zusammenhang
von einem Kaspertheater oder einer Blockade zu reden und
den Stadträten die Schuld am tatsächlichen oder nur wahrgenommenen
Stillstand zu geben, ist völlig ungerecht. Wenn man den Willen hat,
mit einem Partner zusammenzuarbeiten, darf man ihn nicht öffentlich
herabsetzen. Es beflügelt zwar die Vorurteile vieler
Menschen, wenn man die Welt der Politik in zwei Lager einteilt: Das
eine der Guten, Willigen und Unabhängigen, die jeder Vorlage des OB
zustimmen und das andere Lager der Bösen, Unwilligen und
Parteilichen.
Aber
Voraussetzung für eine echte Partnerschaft ist die gegenseitige
Wertschätzung und die gegenseitige Information.
Wir haben bewiesen, dass wir dazu bereit sind, indem wir das Gespräch
mit Ihnen gesucht und geführt haben. Wir haben Ihnen versichert, dass
wir eine Basis für eine verlässliche Zusammenarbeit aufbauen wollen. Wir
wollen dafür keine Dankbarkeit, weil wir es immer als unsere Pflicht
ansehen, konstruktiv zu arbeiten.
Wir erwarten aber,
dass auch Sie zu dieser Zusammenarbeit stehen. Uns geht es immer
darum, dass die Stadt weiterentwickelt wird. Dafür haben wir auch eine
Reihe von konstruktiven Anträgen im Stadtrat eingebracht. Ich erinnere
erneut an unsere Initiative für Ausbildungsplätze, aus der dann nach
anfänglicher Ablehnung der Wirtschaftsbeirat erwachsen ist, der
dauerhaft von Nutzen für die Stadt sein kann.
Der Blockadevorwurf geht also völlig an der Realität vorbei:
Kann jemand ernsthaft glauben, dass die zahlreichen Unterstützer, die jetzt hier im
Stadtrat sitzen, auch in unserer Fraktion, nach ihrem leidenschaftlichen
Einsatz für den neuen OB plötzlich und ohne triftige Gründe zum
Blockierer ihres Idols werden? Kann jemand ernsthaft glauben,
dass diese damit ihre eigene Wahl und Überzeugung im Nachhinein
verurteilen? Kann jemand ernsthaft glauben, dass die zahlreichen
verantwortungsbewussten Menschen hier plötzlich verantwortungslos
handeln und sinnvolle Vorschläge ablehnen?
Sehr geehrter Herr
Oberbürgermeister,
weil wir stets
konstruktiv gearbeitet haben, fühlen wir uns durch Ihre jüngsten
Aussagen zum Umsturz nicht angesprochen. Trotzdem können wir nicht
verhindern, dass der gesamte Stadtrat – also auch wir - in der
Öffentlichkeit dadurch diskreditiert werden. Besonders enttäuschend
ist das für uns gerade nachdem wir das Gespräch mit Ihnen gesucht und
geführt hatten.
Dabei sind wir inhaltlich doch gar nicht weit
auseinander.
Ich erinnere nochmals
an den Begriff der Wohlfühlstadt, den wir im Kommunalwahlkampf geprägt
hatten, oder an die Markthallenlösung am Alexanderplatz. Wir wollen eine
Markthalle in die vorhandenen Geschäftshäuser am Alexanderplatz
integrieren, um die Attraktivität der Oberstadt zu erhöhen und den
Marktstandort zu stärken.
Auch mit
unserem Antrag auf ein Bündnis für Ausbildung liefen wir bei Ihnen
offene Türen ein. Auch unsere anderen Anträge bis auf Shoes & more
fanden Ihr Gefallen. Auch wenn von unseren Ideen noch zu wenig umgesetzt
ist, sind wir auf einem gemeinsamen Weg.
Die
SPD-Fraktion wird auch weiterhin gestalterisch eingreifen und mit
Nachdruck und konstruktiven Vorschlägen helfen, Zweibrücken weiter
zu entwickeln. Auch die geringere Zahl der Sitze im Stadtrat kann uns
davon nicht abhalten.
Die Konsequenz
aus der Niederlage bei der Kommunalwahl heißt für uns nicht, dass
wir uns in den Schmollwinkel zurückziehen und anderen die Initiative
überlassen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Wir zeigen, dass wir aus
Fehlern lernen. Wir sind dabei zuversichtlich, weil wir in der letzten
Zeit immer mehr Zuspruch in der Bevölkerung erhalten. Das zeigt
uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir arbeiten auch konstruktiv
mit anderen Fraktionen im Stadtrat zusammen, soweit dies möglich ist.
Das Klima dazu im Stadtrat hat sich erheblich verbessert.
Ich muss aber
auch daran erinnern, dass nicht wir es waren, die in einer so genannten
bürgerlichen Mehrheit die Hoffnung auf eine bessere Stadtpolitik sahen.
Die so genannte bürgerliche Koalition ist kläglich an der
Zerstrittenheit der FWG gescheitert, sie ist zum Symbol für den
Stillstand geworden. Selbst diejenigen, die früher die
Zusammenarbeit zwischen SPD und CDU ständig als verwerflich hingestellt
hatten, wünschen sich diese gerne zurück.
Ich fasse zum Schluss noch einmal zusammen:
Die vom
Hauptausschuss geforderte Überarbeitung des Haushaltes und die
Sparvorschläge, die in den Beratungen eingearbeitet worden sind,
bringen eine spürbare Entlastung der Steuerzahler von heute und
besonders für die von morgen.
Aber auch die
Erweiterung des Hauptfriedhofs ist nicht so dringend. Diese Maßnahme
würde nur wieder zu höheren Gebühren für die ohnehin hoch belasteten
Bürgerinnen und Bürger führen.
Auch die
früher geplante Brücke am Schwarzbach ist unnötig und teuer, sie kann
durch eine andere Verkehrsführung ersetzt werden.
Mit
vergleichsweise wenig Geld kann man dagegen das Freibad und den
Campingplatz aufwerten.
Ebenso ist es
notwendig, Kultur und Sport am Beispiel der Turnhalle Rimschweiler zu
fördern. Diese Halle könnte dann auch wieder als Schulturnhalle benutzt
werden.
Ebenso
bekennen wir uns zum Kunstrasenplatz in Ixheim, der durch den Wegfall
der Rasenpflege auf lange Sicht sogar Geld spart im Vergleich zu einem
Rasenplatz. Dieser Platz wird besonders von Jugendlichen sehr ausgiebig
genutzt und deshalb ist das Geld gut angelegt.
Ebenso gut ist
das Geld in den Schulen und in den Kindergärten angelegt. Hier hat
Zweibrücken schon seit vielen Jahren immer das Mögliche getan. Den
Neubau der Realschule hat der letzte Stadtrat mit anfangs heftigen
Kontroversen beschlossen, heute sind die meisten hier stolz darauf.
Auch die anderen Schulen werden trotz knapper Kassen angemessen mit
Mitteln versorgt. Ich freue mich, dass die Stadt – wie übrigens auch
das Land – nicht an der Bildung spart, sondern die Anstrengungen
verstärkt.
Nicht in das Bild passt
das Verhalten einiger FWG-Mitglieder, die früher viele Bauprojekte
verhindern wollten und seit sie den Baudezernenten stellen, anscheinend
glauben, die Stadt hätte im Lotto gewonnen, jedenfalls, wenn es um
unnötige Bauprojekte, Motorradrennen oder die Sanierung zum Abriss
vorgesehener Objekte geht. Gerade weil wir wenig Geld haben und
gleichzeitig in die Zukunft investieren müssen, dürfen wir das Geld
nicht zum Fenster hinaus werfen. Die Stadt muss als Wohlfühlstadt noch
attraktiver für Neubürger, Unternehmen und Steuerzahlerinnen werden. Wir
wollen an der richtigen Stelle sparen und sind deshalb froh darüber,
dass die von der FWG beantragte Abschaffung des Sozialausweises keine
Mehrheit gefunden hat.
Uns liegen auch die
anderen so genannten „freiwilligen Leistungen“ am Herzen. Wir sind
beispielsweise der Meinung, dass wir die Festhalle als gute Stube der
Stadt brauchen. Wir halten nichts von Verzögerung und „ergebnisoffenen“
Untersuchungen. Besonders dann, wenn das Ergebnis schon vorher bekannt
ist, nämlich, dass eine Festhalle nicht kostendeckend arbeiten kann, wie
zahlreiche andere öffentliche Einrichtungen ebenfalls. Die Festhalle
ist unverzichtbar für ein intaktes Kultur- und Vereinsleben in der
Stadt. Wir sind für klare Aussagen, ehrliche Antworten und stehen
zur Verantwortung sowohl den Steuerzahlern als auch einer
Vertragspartnerin gegenüber.
So sehen wir unsere Verantwortung im Stadtrat.
Walter Rimbrecht, Stellvertr. Fraktionsvorsitzender
|